Clevere Parkhilfe und Blinklicht fürs Fahrrad: Highlights der Langen Nacht der Startups 2016

Ich hatte das Vergnügen, am letzten Samstag an der vierten Langen Nacht der Startups teilzunehmen. An vier Standorten zeigten Geschäftsgründer ihre Ideen im Bereich Technologie, Verkehr, Lebensmittel, Finanzen und Energie. Die vier Stätten VW-Forum, Microsoft Atrium, Hauptstadtrepresentanz der Deutschen Telekom und Deutsche Bank Atrium befanden sich alle in der Friedrichsstraße/Unter den Linden. Die Veranstaltung war gut besucht, trotzdem konnte ich mich mit vielen Menschen unterhalten.

Das Fahrrad blinkt. Ich bin leidenschaftliche Fahrradfahrerin, und so ist mein Blick sofort am Blinkers Stand hängen geblieben. Javier Fernández de Alegrías kommt aus dem Baskenland, wohnt und arbeitet aber in Zürich und liebt das Radfahren. Mit einigen Freunden hat er Velohub gegründet, das Technologie für Drahtesel entwickelt. Eine der Fragen, die sofort auftauchte, erzählte er, ist die Sicherheit, besonders nachts und in der dunklen Jahreszeit. Die Statistik für Berlin bestätigt, dass die meisten Unfälle geschehen, weil Radfahrer beim abbiegen übersehen werden. Kernprojekt des jungen Unternehmens ist Blinkers, ein Blinker für das Fahrrad. Sowohl am Lenkrad, als auch unter dem Sattel können die Lichter angebracht werden. Sie sind mit einem Pad steuerbar, der am Lenkrad angebracht wird. Das Licht funktioniert auch als Standlicht, das Hintenlicht zusätzlich als Bremslicht.

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Das Projekt „Blinker“ haben Javier und seine Freunde mit Hilfe der Plattform Kickstarter finanziert

 

Smarte Parkhilfe. Von Fahrrädern zu Autos. Parken in der Stadt in der Alptraum jedes PKW-Fahrers. Ich habe kein Auto, unter anderem genau aus diesem Grund. Vor ein paar Jahren bin ich das letzte Mal mit einem Car-Sharing Wagen gefahren und hätte beim Einparken heulen können, weil nirgendwo eine Lücke zu finden war. Victor Ter Smitten und Dominik Wursthorn von SoNah erklärten mir ihre intelligente Parkhilfe, die sich noch in der Testphase befindet.Die Idee dahinter ist, über einen längeren Zeitraum Daten über die Parkmöglichkeiten an den verschiedenen Orten zu sammeln, zum Beispiel durch Sensoren an Laternen oder Ampelmasten. Mit Hilfe von Statistikmodellen sagt die Software voraus, wo innerhalb eines Radius mit großer Wahrscheinlichkeit ein Parkplatz frei wird. Als Pilotprojekt läuft SoNah zunächst in Aachen, wo die Firma ansässig ist. Die Jungs planen aber so bald wie möglich den Einsatz in jeder deutschen Großstadt. Und natürlich eine App.

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Victor ter Smitten und sein Team möchten SoNah irgendwann in herkömmlichen Navigationssystemen integrieren

 

Reha von zu Hause. Wer hat das nicht schon erlebt? Wenn man ständig am Rechner sitzt, bekommt man Rückenschmerzen. Der Arzt/Physiotherapeut empfiehlt Gymnastikübungen für zu Hause, und dann weiß man nicht mehr, wie das geht, oder kann sich einfach nicht motivieren. Caroline Jannasch von AmbiGate hat mit ihrem Team eine Hilfe für Heimfitness erfunden. Eine mit Lasertechnologie ausgestattete Box nimmt die Bewegungen des Anwenders wahr und vergleicht sie mit der korrekten Ausführung. Gibt es eine Abweichung, zeigt ein virtueller Trainer auf dem Bildschirm, wie es richtig geht. In naher Zukunft, so die Pläne, soll die Technologie getestet und zertifiziert werden. Dann könnten Unternehmen die Box kaufen oder mieten, um ihre Mitarbeiter zum Sport zu motivieren, möglicherweise würden die Krankenkassen sogar das Gerät finanzieren.

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Caroline Jannasch will mit ihrem Team Rehamaßnahmen von zu Hause ermöglichen

Fazit. Manche Innovationen, wie die Parkhilfe, der Fahrradblinker und die Heimreha könnten wirklich den Alltag erleichtern und ich kann mir vorstellen, dass sie sich durchsetzen. In anderen Bereichen, wie bei neuen Internetportalen zu verschiedenen Themen, ist die Konkurrenz sicherlich härter. Aber auch hier werden viele Gründer Erfolg haben. Ich freue mich auf die nächste Nacht der Startups.

Welcome Festival-Schön, dass ihr da seid

Wunschbaum
Selbstgebastelter Wunschbaum mit Kinderbotschaften

 

Bei Sonnenschein und sommerlichen Temperaturen haben sich am Samstag auf dem Tempelhofer Feld neue und alte Berliner versammelt, um mit dem Welcome Festival den ersten Jahrestag der Willkommenskultur zu feiern. Genau vor einem Jahr hatte eine Gruppe engagierter Neuköllner ein Picknick organisiert, um Geflüchtete willkommen zu heißen, die nach der vorübergehenden Grenzöffnung Berlin erreicht hatten.

Viele dieser Menschen waren nun am Samstag als Festival-Mitgestalter anwesend und haben Workshops angeboten, gesungen, gespielt oder für die vielen Teilnehmer gekocht. Zahlreiche Ehrenamtliche haben ihre Projekte vorgestellt, auch um neue Unterstützer zu sammeln. Das Engagement vieler Bürger im letzten Jahr sei überwältigend gewesen, so eine Helferin, aber es sei genauso wichtig, weiter zu machen, denn die Neuankömmlinge benötigen noch Unterstützung im Alltag, um in Deutschland voranzukommen.

Banu, Alex, Eric und Fasila warben mit einem Stand für ihre Initiative Schlafplatz.org. Die Börse vermittelt obdachlosen Flüchtlingen einen Schlafplatz, sowohl temporär als auch längerfristig. „Es basiert viel auf Vertrauen“ sagt Banu „Wir kennen die Menschen und wissen, dass sie in Ordnung sind. Es ist sonst für die Leute nicht einfach, sich Fremde in die Wohnung zu holen. Und die Gäste müssen den Gastgebern ebenfalls trauen. Viele schämen sich für ihre Situation und schlafen lieber auf der Straße. Daher ist die Vermittlung sehr wichtig.“

SchlafplatzOrg
Banu, Fasila, Alex und Eric vermitteln Geflüchteten in Notsituation Schlafplätzen in privaten Wohnungen

Auch das junge Projekt „RESTART„, das geflüchteten Künstlern ermöglicht, ihre Werke in einem Online-Auktionshaus anzubieten, war dabei. Mitgründerin Maria sprach von der vielen PR-Arbeit, die nötig ist, damit viele Menschen die Plattform kennen. Ziel ist, den zwanzig syrischen Malern, Designern und Fotografen auch eine finanzielle Perspektive in Deutschland anzubieten, damit sie hier neu starten.

Restart
Das RESTART-Team. Ziel ist, geflüchteten Künstlern einen Einstieg in die deutsche Kunstszene zu ermöglichen

Neben Vereinen zog das Festival viele Bewohner der benachbarten Notunterkunft im Hangar des Tempelhofer Felds, die seit Oktober 2015 über 2000 Menschen beherbergt. Karim, Jurist aus Afghanistan, ist einer von ihnen. Er ist seit einem Jahr hier und um die Freundschaft der Berliner dankbar, sagt er auf Englisch, während er an einem Malworkshop teilnimmt. Er möchte diese große Chance nutzen und zuerst seine deutsche Sprachkenntnisse verbessern und dann Elektrotechnik studieren.

Karim
Dankbar für tolle Freundschaften und voll von Zukunftsplänen:Karim aus Afghanistan

Unter den musikalischen Highlights war die Syrian Expat Philharmonic Orchestra, das erste syrische Orchester im Exil, gegründet 2015 von Raed Jazbeh, Kontrabassist aus Damaskus. Aber auch die Multikulti-Band Bukahara mit ihren orientalischen-jazzigen Tönen war dabei.  Den vielen anwesenden Kindern erwartete auch ein buntes Programm, darunter Jonglierseminare, Parcours und arabische Märchen.  Bis in den Abend hinein wurde getanzt, auf der Wiese gebolzt, gegessen und gelacht.

Angesichts der jüngsten politischen Entwicklungen möchte man meinen, die Willkommenskultur in Deutschland sei gefährdet. Doch die vielen Menschen, die am Welcome Festival teilnahmen, zeigen eine andere Facette unserer Gesellschaft. Sowohl die Neu- als auch die Altberliner beweisen, dass Integration nur stattfindet, wenn der Neue nicht nur der Flüchtling sondern der Musiker, der Koch, der Maler, der Nachbar ist. In diesem Sinne freue ich mich auf das nächste Welcome Festival.

Tauziehen
Tauziehen auf der Wiese auf dem Welcome Festival

 

 

Das war der Karneval der Kulturen 2016

Auch dieses Jahr hat Berlin ein Zeichen für Toleranz und das Zusammenleben der Kulturen gesetzt. Trotz Regengüsse und eisiger Temperaturen haben sich gestern tausende Besucher den Umzug der Karneval der Kulturen angeschaut. Die bunten Wagen sind von 12:30  bis 22 Uhr durch Kreuzberg gezogen und haben auf der Strecke von Herrmannplatz über die Gneisenaustraße bis zur Möckernbrücke Jugendliche, Senioren, Familien, Touristen und Berliner begeistert. Über 500.000 Personen klatschten, tanzten, sangen mit und feierten bis in den Abend hinein. Von Sambaklängen, bis zu koreanischem Pop, Kinderzirkus, afrikanischen Trommlern und chinesischen Tänzen war alles vertreten. Politische Statements und Satire fehlten ebenfalls nicht, und dennoch war die Hauptbotschaft, dass Musik alle Menschen der Welt vereinen kann. Ein Abschnitt aus den schönsten Momenten findet ihr in dem Video

 

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