Der Prenzlauer Berg von Lichtenberg: Unterwegs im Kaskelkiez

Ein Dorf in der Stadt. Nachdem ich am S-Bahnhof Nöldnerplatz aussteige und der Unterführung unter dem Bahndamm folge, verlasse ich, so kommt es mir vor, den Trubel der Großstadt und befinde mich plötzlich in einem malerischen Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben ist. Ich sehe pastellfarbene Bauten aus der Gründerzeit und Menschen, die auf dem Kopfsteinpflaster gemütlich radeln, als ich an der Türrschmidt-/Ecke Kaskelstraße halte. Chris, mein Reiseführer, wohnt seit Jahren hier im Kiez. Er begrüßt Kosta, den Besitzer des benachbarten Cafés „Nadja + Kosta“, und plaudert gleich ein paar Minuten mit ihm. So sei es hier immer, sagt er mir später. Der von den Bahntrassen umschlossene Kiez ist eine Stadt für sich, alle kennen sich und die, die man nicht kennt, lernt man schnell kennen.

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Kaffee trinken, Zeitung lesen, mit den Nachbarn plaudern bei Nadja+Kosta. Kiezbewohner schätzen die familiäre Atmosphäre

Die Anfänge der Victoriastadt. interessiert sich für Geschichte, insbesondere für lokale Begebenheiten. Die Entstehung der Victoriastadt, erzählt er, ist mit der Entwicklung der Bahnlinie Berlin-Warschau verbunden, die um 1840 gebaut wurde. Die beginnende Industrialisierung zog immer mehr Menschen aus dem Land nach Berlin und in seine Vororte, die Bevölkerung der Gemeinde Boxhagen-Rummelsburg, die damals nicht zu Berlin gehörte, wuchs stetig. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herrschte Wohnungsnot.Die Wollfabrikanten Anton und Albert Lehmann bauten Behausungen für die Arbeiter aus Zement, einem damals völlig neuen Material, und Schlacke. Die günstigen Schlackehäuser waren dunkel, nicht unterkellert und ohne Toiletten im Garten. Da sie nicht vollständig austrockneten, erwies sich diese Bauweise als nicht zukunftsträchtig, so dass die meisten später abgerissen wurden. Chris zeigt mir die wenig erhaltenen, später modernisierten Schlackehäuser in der Türrschmidtstraße und in der Spittastraße.

Niedergang in der DDR. Der Name „Victoriastadt“, erklärt er mir, geht auf die Bauherren zurück, die die Siedlung wegen ihrer Geschäftsbeziehungen in das damalig industriell fortschrittliche Britische Königreich zu Ehren der Britischen Königin tauften. Sowohl die Türrschmidt- als auch die Kaskelstraße sind von Gründerzeitbauten mit ausgeschmückten Giebeln und bunten Fassaden geprägt. Sie sind zwischen dem Ende des 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, als die Reparationszahlungen Frankreichs nach dem Deutsch-Französischen Krieg einen regelrecht Bauboom in Deutschland entfachten. Im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen weitgehend verschont, sind sie während der DDR-Zeit zunehmend auseinander gefallen. Haftentlassene aus dem Gefängnis Boxhagener-Rummelsburg wurden damals in die Häuser einquartiert. Während und kurz nach der Wende besetzten Obdachlose viele dieser maroden Wohnungen. Vom ehemaligen Verfall merken wir aber nichts mehr, während wir entlang der Türrschmidtstraße an Bioläden, Eisdielen und bunt bemalten Kinderläden vorbei schlendern. Heute leben viele Künstler und junge Familien hier im Kiez. Deswegen, und für seine hohe Dichte an Altbauten, wird der Kaskelkiez „Der Prenzlauer Berg von Lichtenberg“ genannt.

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Eine Tafel erinnert an die ersten Arbeiterquartiere in der Türrschmidtstraße

Türrschmidtstraße. In der Türrschmidtstrasse befand sich das 1901 errichtete Rathaus Rummelsburg, das während des Zweiten Weltkriegs an dieser Stelle zum Teil zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Der Flügel, der erhalten blieb, wird noch heute von der Stadt genutzt. Wir gehen durch den Park, der auf der Fläche des ehemaligen Stadthauses steht. Es nieselt, die Luft ist kühl, und wir verspüren wenig Lust, uns auf die Bänke zu setzen. Mir fallen die Säulen auf, die einen Metallbogen stützen. Es handelt sich um das Denkmal Hartungsche Säulen , der an die gusseisernen Pfeilen erinnert, die damals die Eisenbahnbrücke stützen.

Tuchollaplatz. Wir gehen weiter und kommen zum Tuchollaplatz, der dem hier wohnhaften Ehepaar Felix und Käthe Tucholla gewidmet ist, die 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurden, weil sie den Widerstand unterstützten, in dem sie unter anderem verfolgten Widerstandskämpfern Schutz boten. Heute findet hier ein Wochenmarkt statt, an dem Händler Produkte aus der regionalen Landwirtschaft anbieten.

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Der nach den Widerstandskämpfern Felix und Käthe Tucholla benannte Tuchollaplatz

Das Wahrzeichen. Durch einen Tunnel geht es in die Nölderstraße, die parallel zur Türrschmidtstraße verläuft. Als erstes fällt mir der hohe Turm auf, der das Straßenbild prägt. Der Schrotkugelturm, der zu einem Wahrzeichen der Victoriastadt geworden ist, wurde 1908 von der Familie Juhl errichtet, der die Bleigießerei und Maschinenfabrik Juhl & Söhne besaß. Flüssige Bleitropfen fielen 38 m nach unten in ein Legierungsbad und bekam so eine runde Form. Seit 1994 unter Denkmalschutz, wurde die Fabrik nach der Wende geschlossen.

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Der Schrotkugelturm in der Nöldnerstraße

Marktstraße. Auf der anderen Straßenseite finden wir die 1890 errichtete Erlöserkirche. Bis zu 5000 Menschen aus dem ganzen Land trafen sich Anfang der Achtziger Jahre unter dem Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ hier und hielten Bluesmessen. Jenseits der Gleise laufen wir die Marktstraße herunter und am modern anmutenden, 1995 erbauten Victoria-Center vorbei. Der Glas- und Stahlbau bildet einen Kontrast zu dem Backsteinbau, der einst der Knorr Bremse AG gehörte. Während des Zweiten Weltkriegs wohnten im Viertel viele Zwangsarbeiter, hauptsächlich aus Polen und aus der Ukraine, die in der Fabrik arbeiteten. Nicht wenige von ihnen fielen Luftangriffen zum Opfer, da die Luftschutzkeller den Einheimischen vorbehalten waren. Heute ist hier die Deutsche Rentenversicherungsanstalt ansässig.

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Kiezexperte Chris vor dem Ausbildungsrestaurant „Am Kuhgraben“

Soziales Engagement im Kiez. Über die Hirschbergstraße, die Schreiberhauerstraße und die Kaskelstraße, kommen wir in die Pfarrstraße. Hier befindet die Sozialdiakonie, die besonders nach der Wende eine Schlüsselrolle in der Integration von Jugendlichen und im Kampf gegen die erstarkte rechtsradikalen Szene spielte. Chris erzählt von den vielen Veranstaltungen und Jugendprojekten, die heute noch stattfinden. An den Kuhgraben in der Pfarrstraße, einen Graben der im 19. Jahrhundert die Grenze zwischen den Landgemeinde Rummelsburg und der selbständigen Stadt Lichtenberg markierte, erinnert heute nur das gleichnamige Restaurant, das von der Sozialdiakonie betrieben wird und sozial benachteiligten Kindern Jugendlichen eine Ausbildung ermöglicht. In dem Restaurant endet vor einem Fischteller, einem dampfenden Schnitzel und zwei frischgepressten Säften unser Spaziergang.

Organische Verbindungen -Karla Sachse

Seit dem Siegeszug des Internets sind Verbindungen zwischen Menschen nur Bytes, immaterielle Daten, die als Ströme innerhalb von Sekunden rund um den Globus verschickt werden. Doch was passiert, wenn Kommunikation, Freundschaft, sichtbar wird? Die Berliner Künstlerin Karla Sachse ist diese Frage auf dem Grund gegangen. Auf einer thailändischen Farm hat sie gelernt, aus alten Zeitungen Körbe zu flechten. Zurück in Deutschland, hat sie aus alten Briefen und Postkarten Gefäße, wie sie sie nennt, erschaffen. Mit Hilfe von befreundeten Künstlern aus der ganzen Welt hat sie Strukturen im Raum modelliert, um ihre Verbindungen sichtbar zu machen.

 

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Ineinander verschränkte Hände symbolisieren die Verbindungen zwischen den Freunden in der ganzen Welt

Würfel hängen an einem Faden in dem Raum, Papierstreifen mit Fotos bilden ein Knäuel, Postkarten stellen eine Art Orgel dar. Die geflochtenen Organe ähneln Körbe, aber auch Herzen, Gefäße, Mägen und Därme. Jedes Organ symbolisiert einen konkreten Ort und eine Verbindung in die Welt. Bunte DNA-Moleküle schweben dazwischen und stehen für die Identität der einzelnen Künstler, die an diesem Projekt mitgearbeitet haben und unter anderem aus Schweden, Italien, Australien, Polen und Vietnam kommen. In den Infotafeln an der Wand erzählen sie, was Zusammenarbeit und Freundschaft für sie bedeuten und darüber, wie sie die Künstlerin kennengelernt haben.

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Sichtbare Erinnerungen: Eine Papierschlange aus Schwarzweiß-Fotos

Eine inspirierende Ausstellung über Freundschaft, die über die Grenzen geht, und menschliche Verbindungen. Bis zum 4. September 2016 sind die Kunstwerke im Museum Pankow zu besichtigen.

Zur Künstlerin. Karla Sachse , 1950 in Sachsen geboren, hat an der Humboldt-Universität in Berlin Kunstwissenschaft studiert. Ihr Kunstwerk „Kaninchenfeld“ steht seit 1999 am ehemaligen Grenzübergang Chausseestraße und erinnert an die Stadtteilung und an die Mauertoten. Für ihr Werk „Fragen“ hat sie 2005  61 Fragen auf einem 320 Meter langen Band aus Acrylglas eingraviert, um an die Opfer der Haftstätte Prenzlauer Allee zu erinnern, vor allem politische Dissidenten, die  zu Unrecht während der DDR inhaftiert wurden.

 

Ausstellungshalle

Kultur- und Bildungszentrum Sebastian Haffner, Prenzlauer Allee 227/228, 10405 Berlin

http://museumsverbund-pankow.berlin.de

Öffnungszeit: Di-So 10-18 Uhr, Eintritt frei

 

 

Plötzlich Autorin

 

Berlin, insbesondere in Bezirken wie Mitte und Prenzlauer Berg, ist Synonym geworden für Kreative, die „irgendwas mit Medien“ machen, doch wie arbeiten diese Menschen genau? Ecken Berlins trifft Künstler und lässt sie erzählen.

In ihren Romanen „Bittersweet Moon“, „Liebe Unplugged“ und „Bad Guys küsst man nicht“ geht es um Frauen, die sich in Musiker verlieben, und die Musik hat in ihrem Leben lange Zeit eine große Rolle gespielt. Sara Belin, Anfang vierzig und Mutter von zwei Kindern im Teenageralter, war früher Opernsängerin, bis Probleme mit ihren Stimmbändern sie vor sechs Jahren zwangen, ihren Beruf aufzugeben. „Da stand ich plötzlich und ich musste mich neu orientieren. Ich wusste, dass ich mich weiter kreativ beschäftigen muss. Jetzt hast du endlich Zeit zum Schreiben, habe ich gedacht“, erzählt Sara, während sie in einem Café in Prenzlauer Berg ihren Tee trinkt. Und dennoch war ich baff, wie gut es am Ende funktionierte.“

Waren Indie-Autoren bis vor sechs, sieben Jahren noch eine Randerscheinung, verkaufen mittlerweile Schriftsteller wie Poppy J. Anderson und Hanni Münzer Bücher im sechsstelligen Bereich, und das ganz ohne Verlag. Die etablierte Kulturszene rümpft bei Self-Publishern aber noch die Nase und meint, jeder würde sich heutzutage Autor nennen.

Ja, es gibt viele Vorurteile uns gegenüber. Sie denken, alle Menschen, die von den Verlagen abgelehnt werden, werden Self-Publisher, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Jeder kann was veröffentlichen, das stimmt schon, doch die Leute lesen nicht alles.

Wie wäre es, einen Artikel über dich im Spiegel-Feuilleton zu lesen?

(Sie lacht) Nicht schlecht.

Wie hat bei dir alles angefangen?

Ich wollte schon länger schreiben, aber dann fragte ich mich immer, wie ich es schaffen sollte. Ich habe kein geisteswissenschaftliches Fach studiert, ich hatte einen Beruf, eine Familie und keine Zeit. Doch nach dem frühen Ende meiner Karriere als Sängerin habe ich mir gesagt, jetzt mache ich es. Ich habe „Bittersweet Moon“ auf Slowenisch, meiner Muttersprache, geschrieben und es ein paar Freundinnen gezeigt. Sie waren begeistert. Dann habe ich mir gedacht „Schick das Manuskript doch einfach einigen Verlagen, du hast ja eh nichts zu verlieren.“ Ein paar Monate hatte ich nichts gehört und fast alles vergessen, als ich eine E-Mail vom größten slowenischen Verlag bekam, der an meinem Buch interessiert war. Da bin ich erst mal vom Stuhl gefallen.

Dann warst du plötzlich Autorin.

Ja, obwohl ich das so nie geplant hatte! Ich habe nichts erwartet, und plötzlich wollten sie mein Buch drucken, obwohl erotische Liebesromane gar nicht ihr Genre waren.

Wie ist das Buch gelaufen?

„Bittersweet Moon“ ist 2010 auf Slowenisch erschienen. Die Auflage ist, denk ich mal, ausverkauft, doch ich bekomme Meldungen aus der Bibliothek, dass die Leute sich immer noch das Buch ausleihen.

War der Wechsel in den deutschen Buchmarkt schnell?

Nein, ich habe noch ziemlich lange gebraucht, das Buch ins Deutsche zu übersetzen. Ich hab mir viel Zeit gelassen und dann habe ich gedacht, was soll ich damit? Ich habe sofort eine Literaturagentin gefunden, die mich an die Verlage bringen wollte, aber nach ein paar Monaten hat sie Insolvenz angemeldet und wir haben den Vertrag aufgelöst. Ich hatte dann keine Lust mehr wieder jemanden zu suchen und habe es zuerst sein gelassen.

Und dann kam die Idee, es mit Self-Publishing zu versuchen….

Genau. Eine Bekannte hat mir erklärt, dass man bei Amazon Bücher hochladen konnte, aber ich habe eine Weile gebraucht, um alles zu verstehen. Ich habe mit Technik nichts am Hut (sie lacht). Ich habe die Übersetzung korrigieren lassen und im Mai 2013 war ich so weit. Zuerst ging das mit den Verkaufszahlen noch sehr langsam nach oben, aber ich habe mir über Facebook einen kleinen Leserkreis aufgebaut, mit viel persönlichem Kontakt. Die Leser haben mich dazu gebracht die Fortsetzung von „Bittersweet Moon“ zu schreiben, weil sie ein Happy End wollten. Innerhalb von vier Monaten habe ich Teil zwei geschrieben und dann ging es weiter mit Teil drei. Dann kam „Liebe Unplugged“, was noch ein viel größerer Erfolg war, da war ich ganz baff.

Hast du so als Self-Publisher so viel Resonanz erwartet?

Nein. Am Tag nach dem Hochladen von „Liebe Unplugged“ habe ich den Rechner angemacht und da war ich schon Nummer 20 im Amazon-Ranking. Ich war total überwältigt!

Meinst du, dass es für deinen Erfolg eine Rolle spielt, dass du auf Facebook sehr aktiv warst?

Ja, die Leser wollen einen Autor zum Anfassen haben, das hat man früher nicht gehabt oder vielleicht nur bei Lesungen. Jetzt hat man eine Art persönliche Beziehung mit den Lesern. Man kennt sich fast persönlich, sie machen die Werbung für dich und gucken, wo sie dir helfen können. Das nahm am Anfang natürlich wahnsinnig viel Zeit in Anspruch. Ich hatte nur noch 40 Prozent der Zeit geschrieben, 60 Prozent war ich auf Facebook oder beantwortete E-Mails. Ich musste immer da sein. Aber das hat sich mittlerweile geändert. Ich kann mir jetzt leisten, auch mal nicht ständig aktiv auf Facebook zu sein, und es läuft trotzdem sehr gut weiter.

 

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Bittersweet Moon- Der Debütroman von Sara Belin

 

Braucht man als Autor heutzutage noch einen Verlag?

Die Autoren, die wirklich berühmt sind, fahren zweigleisig. Sie schreiben ein paar Bücher beim Verlag und den Rest als Self-Publisher. Rein finanziell lohnt es sich mehr, wenn man alles selber macht und man behält dabei die Kontrolle. Wenn jemand kommt und mir was Interessantes anbietet, bin ich aber offen dafür. Mittlerweile habe ich schon ein paar Angebote abgelehnt, weil sie nicht ganz meinen Vorstellungen entsprachen. Was ich mir wünschen würde, wäre ein Taschenbuch bei einem renommierten Verlag, um damit auch noch die Leserinnen zu erreichen, die aus Prinzip ihre Bücher nicht im Internet kaufen, sondern lieber in eine Buchhandlung gehen.

Machst du Lesungen?

Nein, obwohl ich die Idee reizend finde. Ich muss nur jemanden finden, der das für mich organisiert, denn ich kann nicht alles alleine schaffen. Langsam könnte ich echt einen Manager gebrauchen. (sie lacht)

Fehlt dir die Musik in deinem Leben?

Ja, natürlich. Ich singe immer noch für mich selbst und unterrichte ab und zu. Aber die Bühne, die fehlt mir schon. Deswegen wären Lesungen eine gute Idee. Doch auf der anderen Seite, wenn ich immer noch Sängerin wäre, hätte ich keine Zeit und Lust zum Schreiben gehabt. Man weiß ja echt nie, was im Leben kommt.

Du hast in Berlin studiert und lebst sehr lange in Deutschland, kommst du aber ursprünglich aus Slowenien. Inwiefern fließt deine Kultur in deine Protagonisten und deine Geschichten?

Ich denke, meine slowenischen Wurzel spiegeln sich oft in meinem Erzählstil. Auch fließt die typisch slowenische, melancholisch- pathetische Stimmung in meine Geschichten ein. Und die Melodik der slawischen Sprache in meinen Texten ist oft zu erkennen, auch wenn ich auf Deutsch denke und schreibe. Das habe ich auch schon ein Paar mal von deutschen Kolleginnen und Leserinnen gehört.

Hast du als Kind viel gelesen?

Ja, ich war eine richtige Leseratte. Ich habe viele Romane und klassische Literatur, aber eigentlich alles, was ich gefunden habe, verschlungen. Wir hatten eine große Lesekultur und es wurde auch sehr viel Wert daraufgelegt, die Weltliteratur früh kennenzulernen.

Wer liest deine Bücher hauptsächlich?

Viele junge Frauen, aber auch einige um die 40-50 und sogar ältere. Ich denke, jede kann sich mit meinen Figuren identifizieren. Es kommt immer darauf an, wie und was man für Gefühle transportiert, da spielt das Alter keine besondere Rolle.

Es geht in deinen Romanen immer um die Liebe. Warum denkst du, dass Liebesgeschichten immer noch so gut funktionieren?

Liebe ist das, was Menschen am meisten bewegt. Wir sind hier um zu lieben und um geliebt zu werden, egal wie modern wir sind und wie schnell wir leben. Diese Sehnsucht bleibt …

 

Sara Berlin- Die offizielle Webseite

Das war der Karneval der Kulturen 2016

Auch dieses Jahr hat Berlin ein Zeichen für Toleranz und das Zusammenleben der Kulturen gesetzt. Trotz Regengüsse und eisiger Temperaturen haben sich gestern tausende Besucher den Umzug der Karneval der Kulturen angeschaut. Die bunten Wagen sind von 12:30  bis 22 Uhr durch Kreuzberg gezogen und haben auf der Strecke von Herrmannplatz über die Gneisenaustraße bis zur Möckernbrücke Jugendliche, Senioren, Familien, Touristen und Berliner begeistert. Über 500.000 Personen klatschten, tanzten, sangen mit und feierten bis in den Abend hinein. Von Sambaklängen, bis zu koreanischem Pop, Kinderzirkus, afrikanischen Trommlern und chinesischen Tänzen war alles vertreten. Politische Statements und Satire fehlten ebenfalls nicht, und dennoch war die Hauptbotschaft, dass Musik alle Menschen der Welt vereinen kann. Ein Abschnitt aus den schönsten Momenten findet ihr in dem Video

 

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Alte und neue Flüchtlinge-Das Notaufnahmelager Marienfelde


Das Notaufnahmelager Marienfelde. Kinder, die auf Koffern am Straßenrand sitzen, Menschentrauben vor einem Gebäude, Wäsche aufhängen in Gemeinschaftsräumen: Diese Bilder sind seit der Flüchtlingskrise der letzten Monate rund um die Uhr in den Medien präsent. Es gab aber eine Zeit, in der die Flüchtlinge Deutsch sprachen und dennoch auf eine Aufenthaltsgenehmigung warten mussten. Im Notaufnahmelager Marienfelde in der Marienfelder Allee 66 erinnert die permanente Ausstellung im Erdgeschoss an dieses Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte.   Flucht aus dem Osten. In den fünfziger Jahren nimmt wegen der schlechten Wirtschaftsbedingungen die Zahl der Übersiedler aus der DDR nach Westdeutschland rapide zu, ab 1952 ist die Innengrenze geschlossen und eine Ausreise in den Westen nur durch West-Berlin möglich. Allein im März 1953 versuchen 58.605 Menschen ihr Glück und verlassen die Zone, zum Teil in dem sie Seen und Flüsse überqueren oder während einer S-Bahnfahrt im Westsektor aussteigen. Doch offiziell dürfen nur politisch Verfolgte die DDR verlassen. Alle anderen werden zwar nicht zurückgeschickt, erhalten aber keinen offiziellen Status und müssen sich im ohnehin von Wohnungsmangel geplagten West-Berlin zurechtfinden.Wegen dem Mauerbau am 13. August 1961 hat die Flüchtlingswelle zuerst ein Ende, um 1989 wieder einen Höhepunkt zu erreichen. Nach der Wiedervereinigung sind in den neunziger Jahren vor allem Bürger aus dem ehemaligen Jugoslawien, die in Marienfelde ankommen, und heute dient das Gebäude ebenfalls als Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge. Damals wie heute warten die Menschen, ein neues Leben anfangen zu können. Die Ausstellungen. An den vielen Säulen der Ausstellung erzählen einige ehemalige DDR-Flüchtlinge über ihre Gründe, die Heimat zu verlassen. Die zahlreichen Fotos und Infotafeln geben einen Einblick in das Leben im Heim und den Versuch, trotz materieller Entbehrungen und Zukunftsängste so was wie einen Alltag zu etablieren. Im ersten Stock ist bis zum 31.03.2015 die Fotoausstellung „Bridge the Gap“ zu sehen, gefördert durch das Projekt „Jugend ins Zentrum!“und durch die Stiftung Berliner Mauer. In den Bildern porträtieren geflüchtete Jugendliche aus Tschetschenien, Syrien und anderen Ländern ihren Kiez aus ihrer Perspektive und erzählen über ihre Träume und Sehnsüchte. Insgesamt ist die Erinnerungsstätte ein gelungener Versuch, die allzu oft vergessene menschliche Seite der Einzelnen zu beleuchten, die ansonsten in der anonymen Masse namens „Flüchtlinge“ verschwindet.

Schild
Warnschild für Westberliner Fahrgäste in den 50er Jahren
Ausflug
Ausflug für DDR-Flüchtlinge des Notaufnahmelagers Marienfelde in den 50er Jahren
bridgethegap
Ausstellungsplakat „Bridge the gap“ über das Leben von Flüchtlingkindern
Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde 
Marienfelder Allee 66-80
12277 Berlin
Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Montags geschlossen
www.notaufnahmelager-berlin.de

Ein Spaziergang durch den Weinbergspark: Geschichte und Gegenwart

Wer die Kastanienallee Richtung Rosenthaler Platz herunterläuft, findet nach ungefähr einem Kilometer den einzigen Volkspark im Ortsteil Mitte, den Weinbergspark, auf seiner rechten Seite. Tatsächlich gab es hier im 18. Jahrhundert Weinberge, wie der Name suggeriert, und später einen Obstgarten, nachdem der Rebebestand den strengen Winter 1740 nicht überlebt hatte.

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Herbsteindrücke, November 2015

 

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Blick auf den Fernsehturm

Schon im 18. Jahrhundert befand sich auf dem Berg eine sogenannte Kaffeewirtschaft. Ab 1855 leitete hier Julie Gräbert, im Volksmund „Mutter Gräbert“, das berühmte Vorstädtisches Theater, das vor allem von Arbeitern besucht wurde. Von 1914 bis 1919 entstand durch den Schauspieler Bernhard Rose das legendäre „Walhalla Varieté-Theater“, ab 1927 gründete Erich Carow, der Chaplin vom Weinbergsweg, im daneben liegenden Tunnel die Lachbühne, in der er seine groteske Parodien aufführte. Beide Theater überlebten den Zerstörung durch den Krieg nicht. Ab den 1950er Jahre wurde das Gebiet um den Weinbergsweg neu gestaltet, viele DDR-Funktionäre wohnten in den Straßen rund um die Zionskirche.

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An frostigen Wintertagen gerne als Eisbahn benutzt: den Teich

 

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Sollte ursprunglich Unter den Linden stehen: Heinrich-Heine-Denkmal

 

 

 

 

 

 

Nach der Wende verlotterte das Areal zunehmend, der Teich und die Grünanlagen wurden nicht mehr gepflegt, Drogendealer machten sich breit. Ab 2004 kämpfte eine Volksinitiative dafür, diesen historischen Ort wieder lebenswert zu machen. 2005 wurde der Park saniert, 2008 war der neu gestaltete Spielplatz fertig.

 

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Blick auf den Spielplatz an einem Herbstnachmittag, November 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jedes Jahr, wenn nach dem Winter die ersten Sonnenstrahlen die Stadt wärmen, strömen die Berliner auf die grüne Wiese oder stoßen auf den Frühling auf der Terrasse der Gaststätte „Nola“an, die schweizerische Spezialitäten anbietet. Was kulinarische Höhepunkte angeht, haben sich die „Focacceria“ in der Fehrbelliner Straße mit ihren köstlichen Blechpizzen und die Eisdiele „Glücklich im Park“ mit ihren legendären Waffeln ebenfalls längst als beliebte Imbissorte etabliert. Der alternative Kunstverein Acud e.V. betreibt in der benachbarten Veteranenstraße sowohl ein Kino, das Filme jenseits des Blockbuster-Mainstreams zeigt, als auch ein kleines Theater.

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Im Sommer geht es nie ohne lange Schlange: Eis und Waffeln bei „Glücklich am Park“