Der Prenzlauer Berg von Lichtenberg: Unterwegs im Kaskelkiez

Ein Dorf in der Stadt. Nachdem ich am S-Bahnhof Nöldnerplatz aussteige und der Unterführung unter dem Bahndamm folge, verlasse ich, so kommt es mir vor, den Trubel der Großstadt und befinde mich plötzlich in einem malerischen Dorf, in dem die Zeit stehen geblieben ist. Ich sehe pastellfarbene Bauten aus der Gründerzeit und Menschen, die auf dem Kopfsteinpflaster gemütlich radeln, als ich an der Türrschmidt-/Ecke Kaskelstraße halte. Chris, mein Reiseführer, wohnt seit Jahren hier im Kiez. Er begrüßt Kosta, den Besitzer des benachbarten Cafés „Nadja + Kosta“, und plaudert gleich ein paar Minuten mit ihm. So sei es hier immer, sagt er mir später. Der von den Bahntrassen umschlossene Kiez ist eine Stadt für sich, alle kennen sich und die, die man nicht kennt, lernt man schnell kennen.

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Kaffee trinken, Zeitung lesen, mit den Nachbarn plaudern bei Nadja+Kosta. Kiezbewohner schätzen die familiäre Atmosphäre

Die Anfänge der Victoriastadt. interessiert sich für Geschichte, insbesondere für lokale Begebenheiten. Die Entstehung der Victoriastadt, erzählt er, ist mit der Entwicklung der Bahnlinie Berlin-Warschau verbunden, die um 1840 gebaut wurde. Die beginnende Industrialisierung zog immer mehr Menschen aus dem Land nach Berlin und in seine Vororte, die Bevölkerung der Gemeinde Boxhagen-Rummelsburg, die damals nicht zu Berlin gehörte, wuchs stetig. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts herrschte Wohnungsnot.Die Wollfabrikanten Anton und Albert Lehmann bauten Behausungen für die Arbeiter aus Zement, einem damals völlig neuen Material, und Schlacke. Die günstigen Schlackehäuser waren dunkel, nicht unterkellert und ohne Toiletten im Garten. Da sie nicht vollständig austrockneten, erwies sich diese Bauweise als nicht zukunftsträchtig, so dass die meisten später abgerissen wurden. Chris zeigt mir die wenig erhaltenen, später modernisierten Schlackehäuser in der Türrschmidtstraße und in der Spittastraße.

Niedergang in der DDR. Der Name „Victoriastadt“, erklärt er mir, geht auf die Bauherren zurück, die die Siedlung wegen ihrer Geschäftsbeziehungen in das damalig industriell fortschrittliche Britische Königreich zu Ehren der Britischen Königin tauften. Sowohl die Türrschmidt- als auch die Kaskelstraße sind von Gründerzeitbauten mit ausgeschmückten Giebeln und bunten Fassaden geprägt. Sie sind zwischen dem Ende des 19. und dem Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden, als die Reparationszahlungen Frankreichs nach dem Deutsch-Französischen Krieg einen regelrecht Bauboom in Deutschland entfachten. Im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen weitgehend verschont, sind sie während der DDR-Zeit zunehmend auseinander gefallen. Haftentlassene aus dem Gefängnis Boxhagener-Rummelsburg wurden damals in die Häuser einquartiert. Während und kurz nach der Wende besetzten Obdachlose viele dieser maroden Wohnungen. Vom ehemaligen Verfall merken wir aber nichts mehr, während wir entlang der Türrschmidtstraße an Bioläden, Eisdielen und bunt bemalten Kinderläden vorbei schlendern. Heute leben viele Künstler und junge Familien hier im Kiez. Deswegen, und für seine hohe Dichte an Altbauten, wird der Kaskelkiez „Der Prenzlauer Berg von Lichtenberg“ genannt.

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Eine Tafel erinnert an die ersten Arbeiterquartiere in der Türrschmidtstraße

Türrschmidtstraße. In der Türrschmidtstrasse befand sich das 1901 errichtete Rathaus Rummelsburg, das während des Zweiten Weltkriegs an dieser Stelle zum Teil zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Der Flügel, der erhalten blieb, wird noch heute von der Stadt genutzt. Wir gehen durch den Park, der auf der Fläche des ehemaligen Stadthauses steht. Es nieselt, die Luft ist kühl, und wir verspüren wenig Lust, uns auf die Bänke zu setzen. Mir fallen die Säulen auf, die einen Metallbogen stützen. Es handelt sich um das Denkmal Hartungsche Säulen , der an die gusseisernen Pfeilen erinnert, die damals die Eisenbahnbrücke stützen.

Tuchollaplatz. Wir gehen weiter und kommen zum Tuchollaplatz, der dem hier wohnhaften Ehepaar Felix und Käthe Tucholla gewidmet ist, die 1943 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurden, weil sie den Widerstand unterstützten, in dem sie unter anderem verfolgten Widerstandskämpfern Schutz boten. Heute findet hier ein Wochenmarkt statt, an dem Händler Produkte aus der regionalen Landwirtschaft anbieten.

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Der nach den Widerstandskämpfern Felix und Käthe Tucholla benannte Tuchollaplatz

Das Wahrzeichen. Durch einen Tunnel geht es in die Nölderstraße, die parallel zur Türrschmidtstraße verläuft. Als erstes fällt mir der hohe Turm auf, der das Straßenbild prägt. Der Schrotkugelturm, der zu einem Wahrzeichen der Victoriastadt geworden ist, wurde 1908 von der Familie Juhl errichtet, der die Bleigießerei und Maschinenfabrik Juhl & Söhne besaß. Flüssige Bleitropfen fielen 38 m nach unten in ein Legierungsbad und bekam so eine runde Form. Seit 1994 unter Denkmalschutz, wurde die Fabrik nach der Wende geschlossen.

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Der Schrotkugelturm in der Nöldnerstraße

Marktstraße. Auf der anderen Straßenseite finden wir die 1890 errichtete Erlöserkirche. Bis zu 5000 Menschen aus dem ganzen Land trafen sich Anfang der Achtziger Jahre unter dem Motto „Schwerter zu Pflugscharen“ hier und hielten Bluesmessen. Jenseits der Gleise laufen wir die Marktstraße herunter und am modern anmutenden, 1995 erbauten Victoria-Center vorbei. Der Glas- und Stahlbau bildet einen Kontrast zu dem Backsteinbau, der einst der Knorr Bremse AG gehörte. Während des Zweiten Weltkriegs wohnten im Viertel viele Zwangsarbeiter, hauptsächlich aus Polen und aus der Ukraine, die in der Fabrik arbeiteten. Nicht wenige von ihnen fielen Luftangriffen zum Opfer, da die Luftschutzkeller den Einheimischen vorbehalten waren. Heute ist hier die Deutsche Rentenversicherungsanstalt ansässig.

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Kiezexperte Chris vor dem Ausbildungsrestaurant „Am Kuhgraben“

Soziales Engagement im Kiez. Über die Hirschbergstraße, die Schreiberhauerstraße und die Kaskelstraße, kommen wir in die Pfarrstraße. Hier befindet die Sozialdiakonie, die besonders nach der Wende eine Schlüsselrolle in der Integration von Jugendlichen und im Kampf gegen die erstarkte rechtsradikalen Szene spielte. Chris erzählt von den vielen Veranstaltungen und Jugendprojekten, die heute noch stattfinden. An den Kuhgraben in der Pfarrstraße, einen Graben der im 19. Jahrhundert die Grenze zwischen den Landgemeinde Rummelsburg und der selbständigen Stadt Lichtenberg markierte, erinnert heute nur das gleichnamige Restaurant, das von der Sozialdiakonie betrieben wird und sozial benachteiligten Kindern Jugendlichen eine Ausbildung ermöglicht. In dem Restaurant endet vor einem Fischteller, einem dampfenden Schnitzel und zwei frischgepressten Säften unser Spaziergang.

Berlin Voids- Die Leerstellen der Stadt

Das Wort „Gentrifizierung“ ist seit Jahren ein Synonym  für die Vertreibung von Altmietern aus ihren innerstädtischen Kiezen und die Bebauung jeder freien Fläche mit Luxuswohnungen oder Gewerbekomplexen geworden.

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Aus der Ausstellung: Leere Fläche an der Bernauer Straße im ehemaligen Grenzgebiet- Copyright by Paul Raftery

Besonders kurz vor und nach der Wende stand Berlin jedoch für Open Spaces, freie Flächen zur allgemeinen Nutzung. Gerade im ehemaligen Ostteil der Stadt wurden Gebäuderuinen, Waldstücke und verlassene Wiesen ein Symbol der Freiheit, der Träume einer jungen Generation, die in einem vereinten Land lebte, in dem alles möglich schien. Besonders die Ecken im Schatten der gerade abgerissenen Mauer, wie der Nordbahnhof und die Bernauer Straße, der Mauerpark, die Gegend rund um den Lehrter Bahnhof (heute Hauptbahnhof) waren urbane Dschungel im Herzen der Stadt.

Ab Mitte/Ende der Neunziger fingen Investoren an, die attraktiven Orte zu bebauen. Dank der Beliebtheit Berlins war und ist die Nachfrage nach Wohnungen enorm. Befürworter meinen, die Stadt würde von Gewerbeobjekten und neuen Einwohnern, sowie Touristen profitieren. Die Gegner der Gentrifizierung weisen darauf hin, dass die Stadt mit dem Verlust seiner freien Flächen, auch seinen Reiz einbüßt und immer mehr anderen Metropolen gleicht. Noch sind in Berlin am ehemaligen Mauerstreifen solche Orte vorhanden, Flächen die leer blieben, als Beton und Stacheldraht abtransportiert wurden.

Wie sieht das Grenzgebiet ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall aus? Der Architekturfotograf Paul Raftery hat 2014 und 2015, zum 25. Jubiläum des Mauerfalls und der Wiedervereinigung, auf den Auslöser seiner Kamera gedrückt und die Veränderungen im Mauerstreifen dokumentiert. Die Ausstellung „Berlin Voids“ im Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer zeigt vom 04. Mai bis zum 03. Oktober 2016 die eindrucksvollsten Fotos seiner Sammlung.

Zur Person. Paul Raftery, 1960 geboren, dokumentiert mit seiner künstlerischen Arbeit urbane Realitäten. Er lebte unter anderem in Brixton, in London, wo er die Gentrifizierung des Hafenviertels mit seinen Bildern festhielt, in Paris und im berühmten Gebäudekomplex Unité d’habitation von Le Corbusier, in Marseille. Seine Arbeiten wurden unter anderem in New York und London ausgestellt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Berlin Voids

Bernauer Straße 119
13355 Berlin
Öffnungszeiten Di-So 10-18 Uhr

 

Der letzte Zufluchtsort

Was heute  ein Familienzentrum mitten im quirligen Bezirk Prenzlauer Berg ist, hat nach genauerem Hinsehen eine Vergangenheit, die bis in das düsterste Kapitel der jüngsten deutschen Geschichte reicht.

Das Haus in der Fehrbelliner Straße 92 ist auf dem ersten Blick ein Altbau,  wie es viele davon in Prenzlauer Berg gibt. In den hellen Räumen mit Parkett und Flügeltüren werden Yogaseminare und Ausbildungsberatungen für Jugendliche durchgeführt, in dem Innenhof steht ein Sandkasten für die kleinen Besucher bereit. Ursprünglich, im Jahr 1910, beherbergten die Räume jedoch eine Tagesstätte für Säuglinge und Kleinkinder, und später einen Hort, eine Lesestube und ein Heim für Kinder aus schwierigen Familienverhältnissen.

Wer auf dem Weg in die erste Etage nach oben schaut, entdeckt  ein kleines, mit hebräischen Buchstaben geschmücktes Holzboot. Dieses wurde von den Bewohnern des jüdischen Kinderheims gebaut, die in den 30ern hier lebten, weil ihre Eltern verhaftet oder deportiert worden waren. In den Räumen fanden sie Schutz vor der zunehmenden Verfolgung und Diskriminierung, der die Juden nach 1933 zunehmend ausgesetzt waren. Sie lernten lesen und schreiben, bekamen eine warme Mahlzeit, lachten, spielten Schach und inszenierten Theateraufführungen, wie die vielen Schwarzweißfotos an den Wänden dokumentieren.

1942 war ihre Kindheit jedoch abrupt zu Ende. Das Heim wurde von der NS-Regierung geschlossen und die Kinder in ein Altersheim umgesiedelt, die meisten von ihnen wurden jedoch kurze Zeit später deportiert und kehrten nie wieder zurück. Einige wenige hatten sich bereits 1938 mit dem Kindertransport nach England gerettet. Auch Ida Judith Bamberger, die letzte Heimleiterin, wurde verhaftet und vermutlich in Auschwitz ermordet.

Die Boote, die die Kinder gebastelt hatten, konnten sie nicht retten. Am 14. März 2003 wurde jedoch die Ausstellung eingeweiht, die die Fotos und zahlreiche Infotafel beinhaltet. Einige der ehemaligen Bewohnern, die die NS-Zeit überlebt hatten, waren dabei. Ihre Geschichten werden ebenfalls in der Ausstellung erzählt. Doch auch ohne Text sprechen die Bilder für sich. Sie erinnern an die Hoffnung, die auch in den dunkelsten Momenten ein junges Leben erhellen kann.

 

Zur Ausstellung in der Fehrbelliner Straße 92

Gemeinsame Mahlzeit im Speisesaal
Den Krieg und die Verfolgung vergessen: Kasperletheater
Den Krieg und die Verfolgung vergessen: Kasperletheater
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Die letzten sorglosen Momente, viele von ihnen überlebten den Krieg nicht

Alte und neue Flüchtlinge-Das Notaufnahmelager Marienfelde


Das Notaufnahmelager Marienfelde. Kinder, die auf Koffern am Straßenrand sitzen, Menschentrauben vor einem Gebäude, Wäsche aufhängen in Gemeinschaftsräumen: Diese Bilder sind seit der Flüchtlingskrise der letzten Monate rund um die Uhr in den Medien präsent. Es gab aber eine Zeit, in der die Flüchtlinge Deutsch sprachen und dennoch auf eine Aufenthaltsgenehmigung warten mussten. Im Notaufnahmelager Marienfelde in der Marienfelder Allee 66 erinnert die permanente Ausstellung im Erdgeschoss an dieses Kapitel der deutsch-deutschen Geschichte.   Flucht aus dem Osten. In den fünfziger Jahren nimmt wegen der schlechten Wirtschaftsbedingungen die Zahl der Übersiedler aus der DDR nach Westdeutschland rapide zu, ab 1952 ist die Innengrenze geschlossen und eine Ausreise in den Westen nur durch West-Berlin möglich. Allein im März 1953 versuchen 58.605 Menschen ihr Glück und verlassen die Zone, zum Teil in dem sie Seen und Flüsse überqueren oder während einer S-Bahnfahrt im Westsektor aussteigen. Doch offiziell dürfen nur politisch Verfolgte die DDR verlassen. Alle anderen werden zwar nicht zurückgeschickt, erhalten aber keinen offiziellen Status und müssen sich im ohnehin von Wohnungsmangel geplagten West-Berlin zurechtfinden.Wegen dem Mauerbau am 13. August 1961 hat die Flüchtlingswelle zuerst ein Ende, um 1989 wieder einen Höhepunkt zu erreichen. Nach der Wiedervereinigung sind in den neunziger Jahren vor allem Bürger aus dem ehemaligen Jugoslawien, die in Marienfelde ankommen, und heute dient das Gebäude ebenfalls als Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge. Damals wie heute warten die Menschen, ein neues Leben anfangen zu können. Die Ausstellungen. An den vielen Säulen der Ausstellung erzählen einige ehemalige DDR-Flüchtlinge über ihre Gründe, die Heimat zu verlassen. Die zahlreichen Fotos und Infotafeln geben einen Einblick in das Leben im Heim und den Versuch, trotz materieller Entbehrungen und Zukunftsängste so was wie einen Alltag zu etablieren. Im ersten Stock ist bis zum 31.03.2015 die Fotoausstellung „Bridge the Gap“ zu sehen, gefördert durch das Projekt „Jugend ins Zentrum!“und durch die Stiftung Berliner Mauer. In den Bildern porträtieren geflüchtete Jugendliche aus Tschetschenien, Syrien und anderen Ländern ihren Kiez aus ihrer Perspektive und erzählen über ihre Träume und Sehnsüchte. Insgesamt ist die Erinnerungsstätte ein gelungener Versuch, die allzu oft vergessene menschliche Seite der Einzelnen zu beleuchten, die ansonsten in der anonymen Masse namens „Flüchtlinge“ verschwindet.

Schild
Warnschild für Westberliner Fahrgäste in den 50er Jahren
Ausflug
Ausflug für DDR-Flüchtlinge des Notaufnahmelagers Marienfelde in den 50er Jahren
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Ausstellungsplakat „Bridge the gap“ über das Leben von Flüchtlingkindern
Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde 
Marienfelder Allee 66-80
12277 Berlin
Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr, Montags geschlossen
www.notaufnahmelager-berlin.de

Ein Spaziergang durch den Weinbergspark: Geschichte und Gegenwart

Wer die Kastanienallee Richtung Rosenthaler Platz herunterläuft, findet nach ungefähr einem Kilometer den einzigen Volkspark im Ortsteil Mitte, den Weinbergspark, auf seiner rechten Seite. Tatsächlich gab es hier im 18. Jahrhundert Weinberge, wie der Name suggeriert, und später einen Obstgarten, nachdem der Rebebestand den strengen Winter 1740 nicht überlebt hatte.

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Herbsteindrücke, November 2015

 

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Blick auf den Fernsehturm

Schon im 18. Jahrhundert befand sich auf dem Berg eine sogenannte Kaffeewirtschaft. Ab 1855 leitete hier Julie Gräbert, im Volksmund „Mutter Gräbert“, das berühmte Vorstädtisches Theater, das vor allem von Arbeitern besucht wurde. Von 1914 bis 1919 entstand durch den Schauspieler Bernhard Rose das legendäre „Walhalla Varieté-Theater“, ab 1927 gründete Erich Carow, der Chaplin vom Weinbergsweg, im daneben liegenden Tunnel die Lachbühne, in der er seine groteske Parodien aufführte. Beide Theater überlebten den Zerstörung durch den Krieg nicht. Ab den 1950er Jahre wurde das Gebiet um den Weinbergsweg neu gestaltet, viele DDR-Funktionäre wohnten in den Straßen rund um die Zionskirche.

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An frostigen Wintertagen gerne als Eisbahn benutzt: den Teich

 

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Sollte ursprunglich Unter den Linden stehen: Heinrich-Heine-Denkmal

 

 

 

 

 

 

Nach der Wende verlotterte das Areal zunehmend, der Teich und die Grünanlagen wurden nicht mehr gepflegt, Drogendealer machten sich breit. Ab 2004 kämpfte eine Volksinitiative dafür, diesen historischen Ort wieder lebenswert zu machen. 2005 wurde der Park saniert, 2008 war der neu gestaltete Spielplatz fertig.

 

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Blick auf den Spielplatz an einem Herbstnachmittag, November 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jedes Jahr, wenn nach dem Winter die ersten Sonnenstrahlen die Stadt wärmen, strömen die Berliner auf die grüne Wiese oder stoßen auf den Frühling auf der Terrasse der Gaststätte „Nola“an, die schweizerische Spezialitäten anbietet. Was kulinarische Höhepunkte angeht, haben sich die „Focacceria“ in der Fehrbelliner Straße mit ihren köstlichen Blechpizzen und die Eisdiele „Glücklich im Park“ mit ihren legendären Waffeln ebenfalls längst als beliebte Imbissorte etabliert. Der alternative Kunstverein Acud e.V. betreibt in der benachbarten Veteranenstraße sowohl ein Kino, das Filme jenseits des Blockbuster-Mainstreams zeigt, als auch ein kleines Theater.

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Im Sommer geht es nie ohne lange Schlange: Eis und Waffeln bei „Glücklich am Park“