Plötzlich Autorin

 

Berlin, insbesondere in Bezirken wie Mitte und Prenzlauer Berg, ist Synonym geworden für Kreative, die „irgendwas mit Medien“ machen, doch wie arbeiten diese Menschen genau? Ecken Berlins trifft Künstler und lässt sie erzählen.

In ihren Romanen „Bittersweet Moon“, „Liebe Unplugged“ und „Bad Guys küsst man nicht“ geht es um Frauen, die sich in Musiker verlieben, und die Musik hat in ihrem Leben lange Zeit eine große Rolle gespielt. Sara Belin, Anfang vierzig und Mutter von zwei Kindern im Teenageralter, war früher Opernsängerin, bis Probleme mit ihren Stimmbändern sie vor sechs Jahren zwangen, ihren Beruf aufzugeben. „Da stand ich plötzlich und ich musste mich neu orientieren. Ich wusste, dass ich mich weiter kreativ beschäftigen muss. Jetzt hast du endlich Zeit zum Schreiben, habe ich gedacht“, erzählt Sara, während sie in einem Café in Prenzlauer Berg ihren Tee trinkt. Und dennoch war ich baff, wie gut es am Ende funktionierte.“

Waren Indie-Autoren bis vor sechs, sieben Jahren noch eine Randerscheinung, verkaufen mittlerweile Schriftsteller wie Poppy J. Anderson und Hanni Münzer Bücher im sechsstelligen Bereich, und das ganz ohne Verlag. Die etablierte Kulturszene rümpft bei Self-Publishern aber noch die Nase und meint, jeder würde sich heutzutage Autor nennen.

Ja, es gibt viele Vorurteile uns gegenüber. Sie denken, alle Menschen, die von den Verlagen abgelehnt werden, werden Self-Publisher, aber das ist überhaupt nicht der Fall. Jeder kann was veröffentlichen, das stimmt schon, doch die Leute lesen nicht alles.

Wie wäre es, einen Artikel über dich im Spiegel-Feuilleton zu lesen?

(Sie lacht) Nicht schlecht.

Wie hat bei dir alles angefangen?

Ich wollte schon länger schreiben, aber dann fragte ich mich immer, wie ich es schaffen sollte. Ich habe kein geisteswissenschaftliches Fach studiert, ich hatte einen Beruf, eine Familie und keine Zeit. Doch nach dem frühen Ende meiner Karriere als Sängerin habe ich mir gesagt, jetzt mache ich es. Ich habe „Bittersweet Moon“ auf Slowenisch, meiner Muttersprache, geschrieben und es ein paar Freundinnen gezeigt. Sie waren begeistert. Dann habe ich mir gedacht „Schick das Manuskript doch einfach einigen Verlagen, du hast ja eh nichts zu verlieren.“ Ein paar Monate hatte ich nichts gehört und fast alles vergessen, als ich eine E-Mail vom größten slowenischen Verlag bekam, der an meinem Buch interessiert war. Da bin ich erst mal vom Stuhl gefallen.

Dann warst du plötzlich Autorin.

Ja, obwohl ich das so nie geplant hatte! Ich habe nichts erwartet, und plötzlich wollten sie mein Buch drucken, obwohl erotische Liebesromane gar nicht ihr Genre waren.

Wie ist das Buch gelaufen?

„Bittersweet Moon“ ist 2010 auf Slowenisch erschienen. Die Auflage ist, denk ich mal, ausverkauft, doch ich bekomme Meldungen aus der Bibliothek, dass die Leute sich immer noch das Buch ausleihen.

War der Wechsel in den deutschen Buchmarkt schnell?

Nein, ich habe noch ziemlich lange gebraucht, das Buch ins Deutsche zu übersetzen. Ich hab mir viel Zeit gelassen und dann habe ich gedacht, was soll ich damit? Ich habe sofort eine Literaturagentin gefunden, die mich an die Verlage bringen wollte, aber nach ein paar Monaten hat sie Insolvenz angemeldet und wir haben den Vertrag aufgelöst. Ich hatte dann keine Lust mehr wieder jemanden zu suchen und habe es zuerst sein gelassen.

Und dann kam die Idee, es mit Self-Publishing zu versuchen….

Genau. Eine Bekannte hat mir erklärt, dass man bei Amazon Bücher hochladen konnte, aber ich habe eine Weile gebraucht, um alles zu verstehen. Ich habe mit Technik nichts am Hut (sie lacht). Ich habe die Übersetzung korrigieren lassen und im Mai 2013 war ich so weit. Zuerst ging das mit den Verkaufszahlen noch sehr langsam nach oben, aber ich habe mir über Facebook einen kleinen Leserkreis aufgebaut, mit viel persönlichem Kontakt. Die Leser haben mich dazu gebracht die Fortsetzung von „Bittersweet Moon“ zu schreiben, weil sie ein Happy End wollten. Innerhalb von vier Monaten habe ich Teil zwei geschrieben und dann ging es weiter mit Teil drei. Dann kam „Liebe Unplugged“, was noch ein viel größerer Erfolg war, da war ich ganz baff.

Hast du so als Self-Publisher so viel Resonanz erwartet?

Nein. Am Tag nach dem Hochladen von „Liebe Unplugged“ habe ich den Rechner angemacht und da war ich schon Nummer 20 im Amazon-Ranking. Ich war total überwältigt!

Meinst du, dass es für deinen Erfolg eine Rolle spielt, dass du auf Facebook sehr aktiv warst?

Ja, die Leser wollen einen Autor zum Anfassen haben, das hat man früher nicht gehabt oder vielleicht nur bei Lesungen. Jetzt hat man eine Art persönliche Beziehung mit den Lesern. Man kennt sich fast persönlich, sie machen die Werbung für dich und gucken, wo sie dir helfen können. Das nahm am Anfang natürlich wahnsinnig viel Zeit in Anspruch. Ich hatte nur noch 40 Prozent der Zeit geschrieben, 60 Prozent war ich auf Facebook oder beantwortete E-Mails. Ich musste immer da sein. Aber das hat sich mittlerweile geändert. Ich kann mir jetzt leisten, auch mal nicht ständig aktiv auf Facebook zu sein, und es läuft trotzdem sehr gut weiter.

 

Bittersweetmoon
Bittersweet Moon- Der Debütroman von Sara Belin

 

Braucht man als Autor heutzutage noch einen Verlag?

Die Autoren, die wirklich berühmt sind, fahren zweigleisig. Sie schreiben ein paar Bücher beim Verlag und den Rest als Self-Publisher. Rein finanziell lohnt es sich mehr, wenn man alles selber macht und man behält dabei die Kontrolle. Wenn jemand kommt und mir was Interessantes anbietet, bin ich aber offen dafür. Mittlerweile habe ich schon ein paar Angebote abgelehnt, weil sie nicht ganz meinen Vorstellungen entsprachen. Was ich mir wünschen würde, wäre ein Taschenbuch bei einem renommierten Verlag, um damit auch noch die Leserinnen zu erreichen, die aus Prinzip ihre Bücher nicht im Internet kaufen, sondern lieber in eine Buchhandlung gehen.

Machst du Lesungen?

Nein, obwohl ich die Idee reizend finde. Ich muss nur jemanden finden, der das für mich organisiert, denn ich kann nicht alles alleine schaffen. Langsam könnte ich echt einen Manager gebrauchen. (sie lacht)

Fehlt dir die Musik in deinem Leben?

Ja, natürlich. Ich singe immer noch für mich selbst und unterrichte ab und zu. Aber die Bühne, die fehlt mir schon. Deswegen wären Lesungen eine gute Idee. Doch auf der anderen Seite, wenn ich immer noch Sängerin wäre, hätte ich keine Zeit und Lust zum Schreiben gehabt. Man weiß ja echt nie, was im Leben kommt.

Du hast in Berlin studiert und lebst sehr lange in Deutschland, kommst du aber ursprünglich aus Slowenien. Inwiefern fließt deine Kultur in deine Protagonisten und deine Geschichten?

Ich denke, meine slowenischen Wurzel spiegeln sich oft in meinem Erzählstil. Auch fließt die typisch slowenische, melancholisch- pathetische Stimmung in meine Geschichten ein. Und die Melodik der slawischen Sprache in meinen Texten ist oft zu erkennen, auch wenn ich auf Deutsch denke und schreibe. Das habe ich auch schon ein Paar mal von deutschen Kolleginnen und Leserinnen gehört.

Hast du als Kind viel gelesen?

Ja, ich war eine richtige Leseratte. Ich habe viele Romane und klassische Literatur, aber eigentlich alles, was ich gefunden habe, verschlungen. Wir hatten eine große Lesekultur und es wurde auch sehr viel Wert daraufgelegt, die Weltliteratur früh kennenzulernen.

Wer liest deine Bücher hauptsächlich?

Viele junge Frauen, aber auch einige um die 40-50 und sogar ältere. Ich denke, jede kann sich mit meinen Figuren identifizieren. Es kommt immer darauf an, wie und was man für Gefühle transportiert, da spielt das Alter keine besondere Rolle.

Es geht in deinen Romanen immer um die Liebe. Warum denkst du, dass Liebesgeschichten immer noch so gut funktionieren?

Liebe ist das, was Menschen am meisten bewegt. Wir sind hier um zu lieben und um geliebt zu werden, egal wie modern wir sind und wie schnell wir leben. Diese Sehnsucht bleibt …

 

Sara Berlin- Die offizielle Webseite

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