Berlin Voids- Die Leerstellen der Stadt

Das Wort „Gentrifizierung“ ist seit Jahren ein Synonym  für die Vertreibung von Altmietern aus ihren innerstädtischen Kiezen und die Bebauung jeder freien Fläche mit Luxuswohnungen oder Gewerbekomplexen geworden.

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Aus der Ausstellung: Leere Fläche an der Bernauer Straße im ehemaligen Grenzgebiet- Copyright by Paul Raftery

Besonders kurz vor und nach der Wende stand Berlin jedoch für Open Spaces, freie Flächen zur allgemeinen Nutzung. Gerade im ehemaligen Ostteil der Stadt wurden Gebäuderuinen, Waldstücke und verlassene Wiesen ein Symbol der Freiheit, der Träume einer jungen Generation, die in einem vereinten Land lebte, in dem alles möglich schien. Besonders die Ecken im Schatten der gerade abgerissenen Mauer, wie der Nordbahnhof und die Bernauer Straße, der Mauerpark, die Gegend rund um den Lehrter Bahnhof (heute Hauptbahnhof) waren urbane Dschungel im Herzen der Stadt.

Ab Mitte/Ende der Neunziger fingen Investoren an, die attraktiven Orte zu bebauen. Dank der Beliebtheit Berlins war und ist die Nachfrage nach Wohnungen enorm. Befürworter meinen, die Stadt würde von Gewerbeobjekten und neuen Einwohnern, sowie Touristen profitieren. Die Gegner der Gentrifizierung weisen darauf hin, dass die Stadt mit dem Verlust seiner freien Flächen, auch seinen Reiz einbüßt und immer mehr anderen Metropolen gleicht. Noch sind in Berlin am ehemaligen Mauerstreifen solche Orte vorhanden, Flächen die leer blieben, als Beton und Stacheldraht abtransportiert wurden.

Wie sieht das Grenzgebiet ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall aus? Der Architekturfotograf Paul Raftery hat 2014 und 2015, zum 25. Jubiläum des Mauerfalls und der Wiedervereinigung, auf den Auslöser seiner Kamera gedrückt und die Veränderungen im Mauerstreifen dokumentiert. Die Ausstellung „Berlin Voids“ im Besucherzentrum der Gedenkstätte Berliner Mauer zeigt vom 04. Mai bis zum 03. Oktober 2016 die eindrucksvollsten Fotos seiner Sammlung.

Zur Person. Paul Raftery, 1960 geboren, dokumentiert mit seiner künstlerischen Arbeit urbane Realitäten. Er lebte unter anderem in Brixton, in London, wo er die Gentrifizierung des Hafenviertels mit seinen Bildern festhielt, in Paris und im berühmten Gebäudekomplex Unité d’habitation von Le Corbusier, in Marseille. Seine Arbeiten wurden unter anderem in New York und London ausgestellt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

Berlin Voids

Bernauer Straße 119
13355 Berlin
Öffnungszeiten Di-So 10-18 Uhr

 

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