Ein Spaziergang durch den Weinbergspark: Geschichte und Gegenwart

Wer die Kastanienallee Richtung Rosenthaler Platz herunterläuft, findet nach ungefähr einem Kilometer den einzigen Volkspark im Ortsteil Mitte, den Weinbergspark, auf seiner rechten Seite. Tatsächlich gab es hier im 18. Jahrhundert Weinberge, wie der Name suggeriert, und später einen Obstgarten, nachdem der Rebebestand den strengen Winter 1740 nicht überlebt hatte.

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Herbsteindrücke, November 2015

 

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Blick auf den Fernsehturm

Schon im 18. Jahrhundert befand sich auf dem Berg eine sogenannte Kaffeewirtschaft. Ab 1855 leitete hier Julie Gräbert, im Volksmund „Mutter Gräbert“, das berühmte Vorstädtisches Theater, das vor allem von Arbeitern besucht wurde. Von 1914 bis 1919 entstand durch den Schauspieler Bernhard Rose das legendäre „Walhalla Varieté-Theater“, ab 1927 gründete Erich Carow, der Chaplin vom Weinbergsweg, im daneben liegenden Tunnel die Lachbühne, in der er seine groteske Parodien aufführte. Beide Theater überlebten den Zerstörung durch den Krieg nicht. Ab den 1950er Jahre wurde das Gebiet um den Weinbergsweg neu gestaltet, viele DDR-Funktionäre wohnten in den Straßen rund um die Zionskirche.

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An frostigen Wintertagen gerne als Eisbahn benutzt: den Teich

 

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Sollte ursprunglich Unter den Linden stehen: Heinrich-Heine-Denkmal

 

 

 

 

 

 

Nach der Wende verlotterte das Areal zunehmend, der Teich und die Grünanlagen wurden nicht mehr gepflegt, Drogendealer machten sich breit. Ab 2004 kämpfte eine Volksinitiative dafür, diesen historischen Ort wieder lebenswert zu machen. 2005 wurde der Park saniert, 2008 war der neu gestaltete Spielplatz fertig.

 

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Blick auf den Spielplatz an einem Herbstnachmittag, November 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jedes Jahr, wenn nach dem Winter die ersten Sonnenstrahlen die Stadt wärmen, strömen die Berliner auf die grüne Wiese oder stoßen auf den Frühling auf der Terrasse der Gaststätte „Nola“an, die schweizerische Spezialitäten anbietet. Was kulinarische Höhepunkte angeht, haben sich die „Focacceria“ in der Fehrbelliner Straße mit ihren köstlichen Blechpizzen und die Eisdiele „Glücklich im Park“ mit ihren legendären Waffeln ebenfalls längst als beliebte Imbissorte etabliert. Der alternative Kunstverein Acud e.V. betreibt in der benachbarten Veteranenstraße sowohl ein Kino, das Filme jenseits des Blockbuster-Mainstreams zeigt, als auch ein kleines Theater.

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Im Sommer geht es nie ohne lange Schlange: Eis und Waffeln bei „Glücklich am Park“

 

4 Kommentare zu „Ein Spaziergang durch den Weinbergspark: Geschichte und Gegenwart

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